Wer sind die “Weißhelme”?

Der aus Großbritannien stammende Gründer der syrischen “Weißhelme” wurde am 11.11.2019 in Istanbul tot aufgefunden.

Wenige Tage zuvor, am 08.11.2019, hatte das Außenministeriums Russlands über seinen offiziellen Twitter-Account mitgeteilt, dass der Mitgründer der White Helmets, James Le Mesurier, ein ehemaliger Agent des britischen MI6 sei. Er sei auf der ganzen Welt gesichtet worden, auch auf dem Balkan und im Mittleren Osten. Außerdem habe er während seiner Mission im Kosovo Verbindungen zu terroristischen Gruppen gehabt.

Für einige Medien ist dieser Tweet ein Indiz dafür, dass der Tod von Le Mesurier ein Mord sein muss, hinter dem Russland steckt. So liest man zum Beispiel bei n-tv:

“Russland beschuldigt den Gründer der Zivilverteidigung Syrische Weißhelme, ein Spion zu sein. Nun ist der britische Ex-Offizier James Le Mesurier tot.”

Interessanter als die Spekulationen über den Tod des Mitgründers der White Helmets ist die Frage nach deren Geschichte und Förderer. Ein kleiner Einblick in eine international umstrittene Organisation.

Wer sind die Weißhelme in Syrien?

Die Weißhelme in Syrien, die sich selbst Syria Civil Defense (Zivilverteidigung in Syrien) nennen, werden seit 2012 von Großbritannien unterstützt. Der Sitz der Organisation ist in Großbritannien. Die Organisation wird unter anderem von Sawsan Asfari geleitet, der Frau des britischen Milliardärs Ayman Asfari und Co-Vorsitzende des Exekutivkomitees des U.S. / Middle East Projects. 

Die Privatarmee sieht ihre Aufgabe darin, Leben zu retten und Gemeinden in Syrien zu stärken. Nach eigener Darstellung ist die Organisation neutral und unparteiisch.

Finanziers der Weißhelme waren anfangs nur das britische Außenministerium. Angeschlossen haben sich die Regierungen der USA, Großbritanniens, der Niederlande, Deutschlands, Japans, Kanadas, Dänemarks und Neuseelands.

Das Budget der Weißhelme beträgt laut Wikipedia mehr als 300 Mio. Dollar.

Das Auswärtige Amt erhöhte 2016 die Fördergelder für die Syria Civil Defense von 4 Mio. Euro auf 7 Mio. Euro. In einer Mitteilung an die Presse begründete das Auswärtige Amt die Aufstockung für die Weißhelme: “Sie genießen hohes Ansehen in der Bevölkerung, Zehntausende verdanken ihnen ihr Leben. Die Weißhelme stehen für den ungebrochenen Wunsch der Menschen in Syrien nach einer Zukunft in Frieden und Sicherheit.”

Das Management (Ausbildung, Ausrüstung, Interessenvertretung, Öffentlichkeitsarbeit und der Aufbau organisatorischer Kapazitäten) von Syria Civil Defense übernahm Mayday Rescue and Chemonics. Die Mayday Rescue Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung, die in den Niederlanden registriert ist. Sie  wurde im Jahr 2014 von James Le Mesurier, einem ehemaligen Offizier der britischen Armee und Mitarbeiter der Vereinten Nationen, gegründet. Großbritannien bezuschusste die Weißhelme 2016 mit 32 Millionen Pfund.

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Die umstrittene Chemonics International ist eine private internationale Entwicklungsgesellschaft. Sie verwaltet hauptsächlich Aufträge der US-amerikanischen Agentur für internationale Entwicklung (USAID). Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Washington, DC. Chemonics wurde von der Generalinspektion der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung (USAID ) wegen ihrer Arbeit an mehreren millionenschweren Hilfsverträgen kritisiert. (Wikipedia)

Die Organisation leistet humanitäre Hilfe für die Opfer des Krieges. Nach eigenen Angaben waren 2016 rund 2.850 Freiwillige aktiv, die in 114 Stationen in den Provinzen Aleppo, Idlib, Latakia, Hama, Homs, Damaskus, Rif Dimaschq und Daraa arbeiteten. Das Deutsche Auswärtige Amt schrieb der Organisation eine Beteiligung bei der Rettung von 90.000 Opfern zu und nannte die Weißhelme ein “Symbol der Hoffnung und der Zivilcourage”.

Im Jahr 2016 erhielten die Weißhelme den alternativen Nobelpreis und den Deutsch-Französischen Preis für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit, ein Sonderpreis des französischen und des deutschen Außenministeriums. 

Bei der Oscarverleihung 2017 wurde der Dokumentar-Kurzfilm Die Weißhelme (The White Helmets) von Regisseur Orlando von Einsiedel mit dem Oscar für den besten Dokumentar-Kurzfilm ausgezeichnet.

Das Niederländische Außenministerium bescheinigte den Weißhelmen Intransparenz, Berichte über Aktivitäten würden nur von der Organisation selbst kommen. Es beendete September 2018 die Unterstützung der Weißhelme und der bewaffneten Opposition.

Giftgasangriff auf Aleppo

Zu einem Zeitpunkt als die syrische Armee im Vormarsch und die Djihadisten auf der Flucht waren berichteten die Weißhelme, dass am Samstag, den 07.04.2018 um 19:45 Uhr und bei fortwährender Bombardierung von Wohnvierteln in der Stadt Douma, mehr als 500 Personen – von denen die meisten Frauen und Kinder sind – die medizinischen Zentren mit Symptomen einer Chemikalienvergiftung aufgesucht haben. Die Fälle zeigten nach Angaben der Organisation Anzeichen von Atemnot, zentrale Zyanose, übermäßige Schaumbildung, Hornhautverätzungen und die Emission von chlorähnlichem Geruch.

Die westlichen Medien übernahmen diese Darstellung. Sie waren sich weitgehend einig: Negative Berichte über die Weißhelme würden von der russischen Propaganda aktiv geschürt. Falschmeldungen würden von russischen Staatsmedien wie RT (“Der meistgefürchtete Newsletter der Republik erscheint jeden Freitag: jetzt abonnieren”) oder Sputnik betrieben, aber auch vom russischen Verteidigungsministerium und diplomatischen Vertretungen im Ausland. Es war aus ihrer Sicht ein Musterbeispiel eines Informationskrieges.

Um so größer war der Jubel über die tapferen Weißhelme:

  • Spiegel: “Die Weißhelme bemühen sich um die Rettung von Zivilisten, die im syrischen Bürgerkrieg verletzt werden”
  • Tagesspiegel: “Die heroische Arbeit der Weißhelme von Aleppo. Sie retten Menschen aus den Trümmern – unter Lebensgefahr.”  

Am 15. April 2018 empörte sich der Focus über eine Sendung im ARD-Mittagsmagazin. Das Blatt beschuldigte den Sender und den Geographen Günter Meyer, Propaganda im ARD-“Mittagsmagazin” zu verbreiten. Meyer liefere keine Beweise, kritisierte das Blatt. Er habe unwidersprochen behaupten dürfen, der Chemiewaffenangriff im syrischen Ost-Ghuta sei inszeniert gewesen.

Zweifel am humanitären Einsatz

Es tauchten im Zusammenhang mit dem Chemiewaffenangriff erhebliche Zweifel an dem humanitären Einsatz der Weißhelme auf. Aufmerksame Beobachter stellten zum Beispiel fest, dass Weißhelme die Opfer der Chemiewaffen-Attacke in Syrien direkt vor Ort behandelten, wie sie in mehreren eigenen Clips und Fotos zeigten. Allerdings ohne Schutzausrüstung oder Gasmasken, was an der Echtheit des veröffentlichten Materials zweifeln lässt.

Die bolivianische Filmemacherin Carla Ortiz zeigte Journalisten die ehemaligen Hauptsitze der Weißhelme (Whitehelmets) in Aleppo. In dem Video sind die Männer zu sehen, die den angeblichen Chemieangriff in Douma (Ghouta) gefilmt und gemeldet haben.

“Ziehen Sie aus dem Video Ihre eigenen Schlüsse”, sagt die bolivianische Schauspielerin. Das Video wurde von ihr am 17.04.18 hochgeladen.

“Die Weißhelme sind eine Fake-Organisation, die nur existiert, um Propaganda für Dschihadisten und Terroristen zu machen”, sagte der englische Sänger, Bassist, Komponist, Texter und Musikproduzent Roger Waters, ehemals Mitglied von Pink Floyd.

Das folgende Video wurde von Dima Abboud aufgenommen und auf Facebook veröffentlicht. Es zeigt Roger Waters, der sein Konzert in Spanien im April 2018 unterbrach, “um über die chemische Lüge und seine persönliche Meinung zu sprechen, dass das, was in Syrien geschieht, auf Lügen und Medien und auf Videos der Weißhelme beruhe”, wie Dima sagt. vanessa beeley hat das Video am 14.04.2018 bei Youtube hochgeladen und hinzugefügt: “Roger Waters entlarvt White Helmets aus dem NATO-Mitgliedsstaat als millionenschweres Propagandakonstrukt für terroristische Fraktionen in Syrien.”

Die genauen Umstände des Ablebens von James Le Mesurier sind nicht bekannt. Die vorläufige Untersuchungsversion der türkischen Ermittler geht von einem Selbstmord aus. RT (“Der meistgefürchtete Newsletter der Republik erscheint jeden Freitag: Jetzt abonnieren!”) bezeichnet James Le Mesurier als einstigen NATO-Geheimdienstkoordinator, der sich in den letzten Jahren dem Regime-Change in Syrien gewidmet habe.

Quellen:

Foto: Screenshot

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