Regen

Hochwasser: Die CO2-Panikmache und die Wahrheit

In den letzten Wochen hat es in verschiedenen Bereichen Deutschlands und Europas und insbesondere im Bereich der Ahr Hochwasserkatastrophen gegeben, die nicht nur Milliardenschäden, sondern tragischerweise auch bis zu mehr als 200 Menschenleben gefordert haben. Wenn man bedenkt, dass es schon Tage vorher präzise Warnungen gegeben hatte, fällt es schwer zu verstehen, dass die Wissenschaftler vom European Flood Awareness System (EFAS) mit ihren Vorhersagen kaum Gehör fanden. Die deutschen Wetterdienste und damit auch die Öffentlich-Rechtlichen Medien warnten zunächst lediglich vor „Starkregen“ und gaben – wenn überhaupt – oft viel zu spät Warnungen vor schnell steigendem Hochwasser heraus. Die Menschen wurden deshalb vielfach unvorbereitet überrascht und konnten oft nicht einmal das Nötigste retten. Neben zahlreichen Todesopfern wurde die Existenzgrundlage tausender weiterer Anwohner vernichtet.

Umso erbärmlicher ist es, wenn jetzt in den Tagen nach der Katastrophe gerade diejenigen „Wetter- und Klimapropheten“, die hier so offenkundig versagt haben, jetzt von einer „nie dagewesenen“ Katastrophe sprechen und die Schuld daran dem angeblich durch CO2-Emissionen verursachten Klimawandel geben. Diese ewigen Weltuntergangswarner, die behaupten, sie könnten 50 und mehr Jahre in die Zukunft sehen, haben erst gewarnt, als die Fluten schon fast da waren.

Jetzt versucht man, diese Panne wegzudiskutieren. Ein Paradebeispiel hierfür lieferte kürzlich der seit vielen Jahren als Medienliebling überall herumgereichte Vorsitzende des Deutschen Klimakonsortiums Mojib Latif. In einem Interview mit der FAZ (leider inzwischen hinter einer Bezahlschranke) wurde er direkt gefragt, ob dieses Ereignis eindeutig klima- oder wetterbedingt sei, und lieferte ein Paradebeispiel für Doppelzüngigkeit ab.

Seine Antwort begann er mit dem klassischen „Nein, aber“, um dann mit einem Wortschwall doch mehr oder weniger alles auf den Klimawandel zu schieben. Da war die Rede von der durch den Klimawandel wärmeren Luft, die mehr Wasserdampf aufnehmen könne, und von dem klimabedingt ebenfalls wärmeren Mittelmeer, dessen Verdunstung für mehr Regen sorgen könne. Ein wahres Meisterstück waren dann seine Formulierungen zum neuen Modethema der Klimawarner, dem angeblich schwächelnden Jetstream. Diesen Punkt bezeichnete er als „umstritten, aber wissenschaftlich durchaus plausibel“ und sprach von „könnte“ und „würden“, um dann jedoch zu sagen: „Dadurch kamen die ganzen Wassermassen in einer Region runter“. Man beachte: Beim letzten Satz verzichtete er auf den Konjunktiv.

Dann bewies Mojib Latif kurze Beine

Noch mutiger wurde Herr Latif dann bei der Frage, was denn das Ungewöhnliche an den Überschwemmungen der vergangenen Woche gewesen sei. Im Einklang mit den Behauptungen zahlreicher Politiker, dass es bisher in der Region noch nie eine Katastrophe dieses Ausmaßes gegeben habe, sagte er laut FAZ: „Es gab bisher materielle Schäden. Jetzt sterben viele Menschen. Das war vorher nur in Entwicklungsländern so. Wenn wir noch die anderen Extreme betrachten, wie zum Beispiel die Hitzewellen mit Rekordtemperaturen, verlassen wir als Menschheit gerade den Wohlfühlbereich. So langsam wird es gefährlich und ich habe manchmal das Gefühl, die Politik begreift es nicht.“

Damit hat er sich sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Schauen wir auf die Tatsachen zum Hochwasser der Ahr. Es gibt zu seiner Aussage zuhauf Gegenbeweise in Form von historischen Hochwassermarken (Bild1), Verwaltungsberichten sowie Aufzeichnungen von Heimatforschern.

Bild1. Wasserstandsmarke zum Hochwasser von 1804 im Vorort Walporzheim, Pützgasse 9 (Foto: Reinhardhauke, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license)

Die Hochwasserkatastrophen von 1804 und 1910

Das vermutlich katastrophalste Hochwasserereignis der jüngeren Geschichte traf die Orte an der Ahr entgegen der Aussagen der Politik und des Herrn Latif nämlich bereits zu einer CO2-freien Zeit im Jahr 1804. Nach den Aufzeichnungen der – damals französischen – Verwaltung wurden 129 Wohnhäuser, 162 Scheunen oder Ställe, 18 Mühlen und acht Schmieden vollständig zerstört. Darüber hinaus wurden hunderte Häuser, Scheunen und Ställe sowie zwei Mühlen und eine Schmiede schwer beschädigt. Die Weinberge und Obstbäume im Ahrtal wurden weitgehend zerstört und fast 30 Brücken stürzten ein. In den Fluten ertranken nicht nur zahlreiche Pferde und Rinder, auch 63 Menschen verloren ihr Leben.

Ein weiteres katastrophales Hochwasser traf die Ahr dann im Jahr 1910. Obwohl es nicht ganz so schlimm war wie das von 1804, gab es doch immense Schäden an Häusern und staatlichen Bauten sowie Zerstörungen bei der gerade im Bau befindlichen Ahrtalbahn. Interessanterweise liegen zwischen den beiden damaligen Katastrophen und der jetzigen jeweils etwas mehr als 100 Jahre.

Hat die Intensität dieser Hochwasserereignisse „durch das Klima“ zugenommen?

Die Vertreter des „Klimakastrophismus“ – von Merkel über Scholz, Schulze, Baerbock, Lindner und Wissler bis zu Mojib Latif und seinen Mitpropheten – treiben derzeit die klimapolitische Ausschlachtung der Katastrophe mit aller Kraft voran. Es ist halt Wahlkampf, und man muss von den eigenen Versäumnissen ablenken.

Wer darauf nicht hereinfallen möchte, sollte sich mit der Intensität des aktuellen Ereignisses im Vergleich mit den historischen Vorbildern befassen. Hierbei helfen zum einen die Aufzeichnungen von Thomas Roggenkamp und Jürgen Herget im „Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 2015“, da sie dort die sogenannten Scheitelabflüsse verschiedener Ereignisse zwischen 1804 und 1920 rekonstruiert haben.

Für die letzten Jahrzehnte und auch für den Beginn der aktuellen Katastrophe stehen detaillierte Aufzeichnungen des Hochwassermeldedienstes des Landesamts für Umwelt Rheinland-Pfalz zur Verfügung. Auf deren Homepage sind sowohl die Pegelstände als auch die sogenannten Scheitelabflüsse der zehn schlimmsten Hochwasserereignisse der Ahr in den Jahren von 1984 bis 2016 aufgeführt. Zwar liegen diese Messstellen heute an anderen Stellen als bei den früheren Katastrophenhochwässern, doch sind die räumlichen Abstände gering genug, dass es zulässig erscheint, Vergleiche zu ziehen. Wichtig ist hierbei weniger der jeweilige Pegelstand, der bekanntlich rein ortsabhängig ist, sondern der sogenannte Scheitelabfluss in Kubikmeter/ Sekunde (m3/s). Dies ist die beim Höhepunkt der Flutwelle aufgetretene Durchflussmenge und erlaubt Rückschlüsse auf die Wucht und Zerstörungskraft der Strömung.

Übersicht über die Region

Zunächst ist es sinnvoll, sich einen Überblick über die vom Unwetter betroffene Region zu verschaffen, Bild 2.

Bild 2. Karte des Hochwassergebiets (Grafik: Hochwassermeldedienst)

Die Ahr ist ein nur rund 85 km langer Fluss, durch den in friedlichen Zeiten am Pegel Altenahr etwa 8 m3/s strömen. Beim schlimmsten Hochwasser der letzten 40 Jahre im Jahr 2016 waren es bei einem Pegelstand von 371 cm dagegen 236 m3/s, also rund 30mal soviel. Zum jetzigen Hochwasser wurde der Pegelhöchststand mit zunächst 575, später mit vermuteten mehr als 700 cm angegeben.

Auf der Homepage des Hochwassermeldedienstes fand sich zur Situation historischer Hochwasserereignisse am Pegel Altenahr folgende Tabelle, Bild 3.

Bild 3. Tabellarische Aufzeichnung von Duchfluss- und Pegelmessdaten für Altenahr (Grafik: Hochwassermeldedienst)

Interessant ist zunächst festzustellen, dass an der Ahr in den letzten ca. 40 Jahren offenkundig weit mehr als zehn Hochwasserereignisse aufgetreten sind, im Schnitt also eines alle vier Jahre. Die Tabelle erlaubt es, mithilfe von Excel für die vier Flutereignisse, für die sowohl Pegelstand als auch Scheiteldurchfluss aufgeführt wurden, eine recht gute Korrelation zwischen Pegelstand und Scheitelabfluss zu ermitteln, Bild 4.

Bild 4. Die Approximation der vier brauchbaren Datensätze des Hochwassermeldedienstes mithilfe einer linearen Gleichung liefert ein recht gutes Bestimmtheitsmaß R2 (Grafik: Autor)

Zum gleichen Zeitpunkt ließ sich aus der nachfolgend abgebildeten Grafik auf der Homepage des Hochwassermeldedienstes ein Pegelhöchststand von 575 cm ablesen, Bild 5.

Bild 5. Grafische Darstellung der Pegelmessdaten für Altenahr, Zeitangabe 20.7.2021, 13:36 Uhr (Grafik: Hochwassermeldedienst)

Setzt man den aus Bild 5 abgelesenen Pegelstand in die nach Bild 4 ermittelte Gleichung ein, so ergibt sich ein Scheitelabfluss von rund 480 m3/s.

Interessanterweise wurde diese Grafik jedoch noch am gleichen Nachmittag um 16:36 Uhr gegen eine andere ausgetauscht, Bild 6.

Bild 6. Geänderte grafische Darstellung der Pegelmessdaten für Altenahr (Grafik: Hochwassermeldedienst)

Über die Gründe für diesen Austausch kann hier nur spekuliert werden. Nimmt man für die Gleichung jetzt einen spekulativen Pegelwert von 700 cm an, so ergäbe sich nach der obigen Gleichung ein Scheitelabfluss von 629 m3/s. Das ist fast das achtzigfache der normalen Wasserführung.

Welches Hochwasser war am schlimmsten?

Die Klimawarner liegen uns ständig in den Ohren, dass uns wegen des von Menschen erzeugten CO2 in den nächsten Jahrzehnten immer stärkere und schlimmere Wetterkatastrophen bevorstehen. Herr Latif, als einer der prominentesten unter ihnen, hat im FAZ-Interview unter Bezug auf die Katastrophe in Ahrweiler ausgesagt: „Es gab bisher materielle Schäden. Jetzt sterben viele Menschen. Das war vorher nur in Entwicklungsländern so. Wenn wir noch die anderen Extreme betrachten, wie zum Beispiel die Hitzewellen mit Rekordtemperaturen, verlassen wir als Menschheit gerade den Wohlfühlbereich. So langsam wird es gefährlich und ich habe manchmal das Gefühl, die Politik begreift es nicht.“

Tatsächlich? Schauen wir einfach mal auf seinen „Wohlfühlbereich vor dem Anstieg des CO2“, auf die Hochwasserkatastrophen 1910 und 1804. Dank der Akribie der bereits erwähnten Heimatforscher Thomas Roggenkamp und Jürgen Herget verfügen wir über rekonstruierte Zahlen der Scheitelabflüsse für beide Ereignisse. Für die Flut von 1910 liegt der Scheitelwert bei 585 m3/s. Dieses Hochwasser war somit in etwa vergleichbar mit dem, welches die Einwohner des Ahrtals jetzt durchmachen mussten. Beide werden jedoch bei weitem in den Schatten gestellt durch die Katastrophe von 1804, deren Wassermassen mit einem Scheitelabfluss von rund 1.200 m3/s fast den doppelten Wert wie die des Jahres 1910 aufwiesen. Dass der Schaden und der Verlust an Menschenleben diesmal so groß waren, liegt daran, dass in der betroffenen Region heute viel mehr Menschen leben als vor 100 oder gar 200 Jahren und unser Hab und Gut viel mehr Wert hat als damals.

Fakten gegen „follow the science”

Angesichts dieser Fakten zeigt sich, wie schnell die „Wissenschaftler“, die uns ständig etwas von der „Klimakatastrophe durch vom Menschen erzeugtes CO2“ weismachen wollen, durch die simple, harte Realität widerlegt werden.

1804 hatte die Menschheit noch so gut wie gar kein „klimarelevantes“ CO2 erzeugt, und auch 1910 war der Anstieg noch vergleichsweise gering. Diese Klimagurus mit ihren hochtönenden akademischen Titeln und ihrem Getue mit komplizierten Computerprogrammen tun so, als ob sie die Zukunft auf Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte vorherberechnen könnten. Dabei haben sie schon bei der rein praktischen Aufgabe versagt, die Bewohner vor der unmittelbar bevorstehenden Gefahr zu warnen.

Sie, die Politiker und die Journalisten, die ihre Botschaften verbreiten, als seien es endgültige Weisheiten, tragen Verantwortung: Nicht für die Tatsache der Flut, aber für die fehlende Vorbereitung und die viel zu späte Warnung der Bevölkerung. Und genau davon wollen sie mit der jetzt massiv einsetzenden Propagandaoffensive für „mehr Klimaschutz“ ablenken.

Fred F. Mueller

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/klimaforscher-mojib-latif-ueber-die-unwetter-im-westen-deutschland-17445166.html

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Walporzheim_Hochwasserinschrift_455.JPG

hjb2015.47.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Hochwasser_der_Ahr_am_21._Juli_1804

https://de.wikipedia.org/wiki/Hochwasser_der_Ahr_am_13._Juni_1910

https://www.hochwasser-rlp.de/karte/einzelpegel/flussgebiet/rhein/teilgebiet/mittelrhein/pegel/MUESCH#:~:text=Wasserst%C3%A4nde%20%20%20%20cm%20%20%20,%20%204%20%206%20more%20rows%20

https://cdn.hochwasser-rlp.de/karte/einzelpegel/flussgebiet/rhein/teilgebiet/mittelrhein/pegel/ALTENAHR

Titelbild: bardcam, Ahr-Mündung, piqs.de
Ende April 07 hat die Ahr sehr niedrigen Wasserstand. Es ergeben sich außergewöhnliche Perspektiven – Blick nach draußen auf den Rhein.


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