Hochwasser

Hochwasserkatastrophe – Wer trägt die Verantwortung?

In der Sendung Monitor/ARD vom 29. Juli stellte Georg Restle die Frage nach der Verantwortung für die Folgen der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal am 13. Juli: „Bei der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands starben mehr als 175 Menschen. Viele von ihnen hätten womöglich gerettet werden können, wenn Warnungen ernst genommen, wenn besser koordiniert worden wäre. Wer trägt dafür die Verantwortung?“

Tragen die Landesregierungen die Verantwortung? Die Landesregierung bilden in NRW die Parteien CDU und FDP (Ministerpräsident und Kanzlerkandidat Armin Laschet), in Rheinland-Pfalz SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP (Ministerpräsidentin seit 2013 Malu Dreyer, SPD).

CDU und SPD Hand in Hand

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) weist jegliche Verantwortung von sich. In Rheinland-Pfalz erklärt eine Bürgermeisterin, das Rathaus sei von der Kommunikation abgeschnitten gewesen. Die Ministerpräsidentin, die in der Monitor-Sendung nicht zu Wort kommt, hat am 17. Juli einen Verantwortlichen benannt. Sie sagte: „Der Klimawandel ist nichts Abstraktes mehr. Wir erleben ihn hautnah und schmerzhaft. In Rheinland-Pfalz haben wir sehr ehrgeizige Klimaziele, wollen spätestens 2040 klimaneutral sein. Es ist eine Jahrhundertaufgabe, der wir uns entschieden stellen und die wir weiter forcieren müssen.“


Meteorologen nennen eine Vb-Wetterlage als Ursache, Politiker sprechen von Klimawandel

In den vergangenen Jahrzehnten hat Dauerregen immer wieder die Gefahr von Hochwasser mit sich gebracht und zu schweren Katastrophen geführt. Durch Flutwellen verloren etliche Menschen ihr Hab und Gut oder gar Leben.

Sind Starkregen- und Hochwasserereignisse in Rheinland-Pfalz tatsächlich eine Besonderheit, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind, der per Definition lediglich die letzten 30 Jahre im Blick hat? Der Wissenschaftsjournalist Fred F. Mueller hat diese Behauptung widerlegt.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden verschiedene Systematiken entwickelt, um Wetterlagen in Europa zu charakterisieren. Eine dieser Systematiken stammt von Wilhelm Jacob van Bebber. Er untersuchte die Zugbahnen der Tiefs in den Jahren 1876 bis 1880 und teilte sie 1891 in insgesamt fünf Hauptzugbahnen ein. Von dieser Charakterisierung ist heute nur noch die Bezeichnung der „Zugbahn Vb“ (sprich: „fünf-b“) gebräuchlich.

Die Auswirkungen eines Vb-Tiefs sind sehr vielfältig. „An seiner Ostseite lenkt ein Vb-Tief meist sehr milde, im Sommerhalbjahr sehr warme bis heiße Luft nach Südost- und Osteuropa, während es an seiner Westseite kalte Luft ansaugt. Im Übergangsbereich der beiden Luftmassen gleitet die Warmluft auf die bodennahe Kaltluft auf und löst dabei anhaltende und manchmal sehr ergiebige Niederschläge aus. Diese können im Winter auf der kalten Seite des Tiefs als Schnee fallen. Die genaue Zugbahn entscheidet dann darüber, wo es schneit und wo Regen fällt, oft liegen die beiden Aggregatzustände nur wenige Kilometer auseinander.“ (kachelmannwetter.com)

Fabian Ruhnau:

In Deutschland haben sich Politik und öffentlich-rechtliches Fernsehen schnell auf den Schuldigen festgelegt. Sie behaupten, dass die Flut-Katastrophe durch den menschengemachten Klimawandel ausgelöst wurde. Klimaschutz-Maßnahmen müssten die Konsequenz dieser Jahrhundert-Katastrophe sein. „In den vergangenen Jahren haben wir in Deutschland vieles nicht umgesetzt, was notwendig gewesen wäre. Davon bin ich fest überzeugt. Es reicht nicht, nur Klimaziele auszusprechen. Es kommt darauf an, die auf den unterschiedlichen Ebenen gesteckten Ziele in einer gemeinsamen Kraftanstrengung zu erreichen. Wir sollten uns fokussieren auf die Möglichkeiten der Umsetzung und mehr Tempo an den Tag legen“, sagt Malu Dreyer.

Die Sache hat nur ein Problem: Deutschlands Metereologen widersprechen – und sie sind keine Klimaleugner.

DWD-Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich sagte zu BILD: „Ein solches regionales Unwetter ist ein Einzelereignis, das ist Wetter. Die Behauptung, der Klimawandel ist schuld, ist so nicht haltbar.“ (Der Deutsche Wetterdienst (DWD) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.)

2002 und 2013 führte die Vb-Wetterlage zu schwerem Hochwasser entlang von Saale und Elbe. Aufgearbeitet wurde die Flutkatastrophe in den Flussgebieten von Gottleuba und Müglitz im Osterzgebirge, durch die in der Nacht vom 8. zum 9. Juli 1927 160 Menschen starben.
Auch dieses Hochwasser entstand durch eine Vb-Wetterlage. Über das Unglück und seine Auswirkungen wurde damals in der Fachpresse mit Schilderungen von Augenzeugen, Bildern von den Verwüstungen und amtlichen Bekanntmachungen ausführlich berichtet. glashuetten.de zeigt eine Zusammenfassung der schrecklichen Ereignisse nur einer Nacht.

Flutkatastrophen in Deutschland. Die größten Hochwasserkatastrophen der vergangenen 100 Jahre https://www.wetter.de/cms/die-groessten-hochwasserkatastrophen-der-vergangenen-100-jahre-4480497.html

War im Ahrtal mit dem Hochwasser zu rechnen?

Bis heute lässt sich die Zugbahn des Tiefs von den Modellen immer noch nicht ausreichend genau berechnen. Aber bei den zahlreichen und präzisen Vorwarnungen der Meteorologen für eine Vb-Wetterlage im Westen Deutschlands Mitte Juli 2021 hätte der Katastrophenschutz die Bevölkerung vorwarnen müssen.

Bereits am 7. Juli warnte daswetter.com: „Hochwasserwarnung für Deutschland. In den kommenden 7 bis 14 Tagen könnte sich eine brisante Vb-Wetterlage einstellen. Diese würde zu schweren Überschwemmungen führen.“ Ein Blick auf Vb-Wetterlagen in den Vorjahren hätte genügen müssen, um die Bevölkerung in flussnahen Bereichen darauf vorzubereiten.

Am 9. Juli wies spektrum.de auf die Gefahr hin: „Die Prognosen verdichten sich, dass sich dann im Südosten und Osten der Republik eine so genannte Vb-Wetterlage einstellen könnte.“ Ein Zusammenstoß der Luftmassen weiter westlich sei nicht auszuschließen.

Die britische Hochwasserexpertin Hannah Cloke, Professorin für Hydrologie an der Universität Reading, hat der Bundesregierung und dem deutschen Katastrophenschutz-System eine Mitverantwortung für die verheerenden Folgen der Flut gegeben. Die Mitentwicklerin des europäischen Hochwasser-Warnsystems „Efas“, sagte der britischen Zeitung „The Times“, das System habe am 10. Juli – also vier Tage vor Beginn der Überschwemmungen – Alarm geschlagen und „Warnungen an die deutsche und die belgische Regierung“ übermittelt.“

Viele Fragen sind bisher unbeantwortet. Der Katastrophenschutz hat versagt.

Abgestumpft durch Klima- und Corona-Daueralarm?

Die Warnmeldungen hätten funktioniert, behauptet Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Generell liege die Verantwortung für den Katastrophenschutz in Friedenszeiten bei den Ländern und den Landkreisen.

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Armin Schuster, sagte am Sonntagabend im ZDF heute journal: „Der Deutsche Wetterdienst hat relativ gut gewarnt.“ Das Problem sei, dass man oft eine halbe Stunde vorher noch nicht sagen könne, welchen Ort es mit welcher Regenmenge treffen werde. „Wir haben 150 Warnmeldungen über unsere Apps, über die Medien ausgesendet“, sagte Schuster. An welchem Tag, zu welcher Uhrzeit und mit welchem Inhalt wurden sie verschickt?

Die Warnungen kamen bei vielen Menschen aus Gründen, die untersucht werden müssen, nicht an. Es dauerte kaum eine Minute, bis das Erdgeschoss eines Behindertenwohnheims in Sinzig unter Wasser stand, zwölf Menschen starben. Auch eine Sirene hätte ihnen vermutlich nicht helfen können.

Auf Twitter schrieb eine Userin: „Mich hat KATWARN am Mittwoch fast zu Tode erschreckt. Ich habe für die höchste Warnstufe einen Ton eingestellt, der Tote aufweckt und da ich an der Grenze vierer Warngebiete wohne, die alle vom Unwetter betroffen waren, bekam sie sich kaum ein.“

Warn-Apps alleine reichen jedenfalls nicht aus, zu wenige Menschen benutzen sie. Aus den Angaben in den sozialen und anderen Medien lässt sich entnehmen, dass es keine Warnungen gab, die den Meteorologen folgend angemessen gewesen wären. In einer zivilisierten Gesellschaft, die sich einen Katastrophenschutz, Meteorologen und öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten leistet und dafür bezahlt, müssen sich die Menschen darauf verlassen können, rechtzeitig, umfassend und auf unterschiedlichen Wegen informiert zu werden.

„Wenn ich in einem Hochwasserrisikogebiet lebe, unten im Tal dann habe ich zumindestens die Warnwetterapp vom DWD installiert. Die hat nämlich morgens schon 300 Liter angekündigt“, twittert ein User. Mit Vollendung des 18 Lebensjahres sei man zu 100% für sich selbst verantwortlich. Konnten sich die Menschen wirklich vorstellen, das 300 Liter Niederschlag eine 10 Meter hohe Flutwelle in den Zuflüssen zur Ahr und eine mehrere Hundert Meter breite Zerstörung über eine Länge von 50 Kilometern auslösen würden? Mit Modellrechnungen finden Wissenschaftler heraus, dass sich in 50 Jahren die Temperaturen weltweit um genau 0,5 Grad Celsius erhöhen werden, aber einen Zusammenhang zwischen Regenmenge und Hochwasser in gefährdeten Regionen Deutschlands können sie mit ihren Hochleistungsrechnern nicht berechnen?

Bisher weiß man, dass die Gefahr von allen Personen, die für den Katastrophenschutz zuständig sind, unterschätzt wurde. Die Defizite bei der Bewältigung der Hochwasserkatastrophe zeigen sich auch noch 14 Tage danach. Ausführlich hat Lohnunternehmer Markus Wipperfürth den Einsatz freiwilliger Helfer aus allen Gebieten Deutschlands dokumentiert. Ohne die Aufräumarbeit der Landwirte und Bauern mit ihren schweren Maschinen wären die Bewohner des Ahrtals im Schlamm und in den Trümmern sich selbst überlassen gewesen.

So kritisierte der Bürgermeister der von der Unwetterkatastrophe stark betroffenen Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler den Krisenstab und warf ihm unter anderem mangelnde Koordination vor. Alles Wesentliche, was funktioniere, sei «eigeninitiativ und unter dem Radar des Krisenstabes» geschehen, zum Beispiel die Aufräumarbeiten und der Brückenbau an der Landgrafenstraße in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk.

Den virtuellen „Klimanotfall“ halten einige Politiker für eine realistische Gefahr und starren auf CO2-Werte, die möglicherweise keinen oder nur einen extrem geringen Einfluss auf das Klima haben. Sie haben sich gemeinsam mit den Leitmedien auf ein abstraktes „Klimaziel“ eingeschworen, so dass sie auf reale, regionale, sich wiederholende Wetterereignisse, wie Vb-Wetterlagen und Dürren, nicht mehr angemessen reagieren können.

Die von vielen Menschen gestellte Frage nach der Verantwortung für den Tod von Menschen durch Fehlentscheidungen bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal, wird nach einiger Zeit in Vergessenheit geraten. Denn die Politiker werden sich mit ganzer Kraft dem virtuellen, wirtschaftspolitischen Thema „Klimaschutz“ und nicht dem „Menschenschutz“ widmen.

Dies alles lässt erahnen, dass am Ende die Menschen, die ihr Hab und Gut verloren und diejenigen, die sich und ihre Großmaschinen freiwillig als Ersthelfer zur Verfügung gestellt haben, auf dem Schaden und den Kosten sitzen bleiben werden.

Die Frage nach der Verantwortung lässt sich auch nicht durch einen Sonderausschuss klären, mit dem sich der Bundestag zu beschäftigen hätte. Denn dort säßen die Politiker der Parteien zu Gericht, die den Katastrophenschutz ignoriert haben.

Mit Vollendung des 18 Lebensjahres ist jeder zu 100% dafür verantwortlich, dass Politiker, die mit Billionen Euro der Bevölkerung die Großindustrie, Banken und Finanzindustrie unterstützen, aber die Bevölkerung immer mehr ihrem Schicksal überlassen, nicht gewählt werden.

Der Zusammenhalt der Berufsgruppe der Landwirte, Lohnunternehmen und Handwerker ist beeindruckend. Die Politiker können sich warm anziehen.

Titelbild: Hans, pixabay

Nachtrag:

Schwere Vorwürfe gegen Ahrweilers Landrat. Beim Hochwasser vor 200 Jahren seien die Dimensionen noch gewaltiger, vor 100 Jahren sei es ähnlich gewesen. https://www.tagesschau.de/inland/flutkatastrophe-kritik-101.html


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