Söder und die Maskenpflicht: „Solange es Corona gibt“

„Warum müssen 81 Millionen eine Maske tragen, wenn „nur“ 8.000 infiziert sind?“, fragt die Moderatorin der Sendung des Bayerischen Rundfunks „Jetzt red i“ Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder am 28. Mai 2020. Sie will wissen, wie lange es die Maskenpflicht noch geben wird. Die Antwort Söders ist kurz und unmissverständlich:

„Solange es Corona gibt; und zwar ohne Medikament und ohne Impfstoff, das ist das Entscheidende, solange gibt es keine wirksame Maßnahme außer Distanzhalten, außer Hygienemaßnahmen und die Schutzmaske.“ (ab Min. 8:43).

Weil nicht wenige Beobachter die Überzeugung teilen, dass Markus Söder vor allem auf eigene Rechnung arbeitet, sollte diesem Aspekt in den sogenannten „Zeiten des Corona“ mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Horst Seehofer, von 2008 bis 2018 Bayerischer Ministerpräsident und seit März 2018 Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat im Kabinett Merkel IV, warf Söder vor Jahren „charakterliche Schwächen“ und einen „pathologischen Ehrgeiz“ vor, berichtet der Merkur. Außerhalb Bayerns gelte Söder vielen als „Scharfmacher, Populist, Provokateur, Rechtsaußen“.

Als Jugendlicher hatte Söder ein Strauß-Poster in seinem Zimmer hängen. Das findet er auch als Erwachsener noch sehr cool und sagt in einem Gespräch mit dem Merkur: „Wenn man aufwacht und Strauß ansieht, was kann es Besseres geben!?“

Mit 16 Jahren trat Söder in die CSU ein, seit 1994 gehört er dem Bayerischen Landtag an, wurde 1998 an der Universität Erlangen-Nürnberg zum Dr. jur. promoviert und heiratete 1999 Karin Baumüller, Tochter des Nürnberger Unternehmers Günter Baumüller.

Das Private bleibe bei Söder privat, sagt die Abendzeitung München. Das gehe so weit, dass Söder nicht einmal vom Familienleben zu Hause in Nürnberg erzählt. Wer übernimmt welchen Part der Hausarbeit? Das wolle er nicht verraten. Laut Abendzeitung gebe er nur so viel von seinem Familienleben preis: „Zu Hause hält mir meine Frau den Rücken frei.“

Baumüller-Unternehmensgruppe

Die Ehefrau, Karin Baumüller-Söder, ist keinesfalls ein Hausfrauchen. Sie ist Diplom-Kauffrau und führt gemeinsam mit ihrem Bruder in dritter Generation das Familienunternehmen Baumüller, die Baumüller-Unternehmensgruppe, wie sie sagt, „mit Leidenschaft“.

Das Unternehmen Baumüller wurde 1930 in Nürnberg als Reparaturbetrieb für Elektromotoren gegründet und ist heute als ein führender Hersteller elektrischer Antriebs- und Automatisierungssysteme international vertreten.

„Baumüller reagiert flexibel auf Corona“, lautete eine Pressemitteilung des Unternehmens am 30. März 2020. Für die Belegschaft wurde Kurzarbeit eingeführt. „Die Betriebstätigkeit wurde durch zahlreiche Maßnahmen bereits frühzeitig gesichert“, heißt es in der Mitteilung. Viele Mitarbeiter seien für mobiles Arbeiten zu Hause ausgestattet und im Fertigungsbereich zum Schutz der Mitarbeiter zahlreiche Maßnahmen umgesetzt worden. „Beispielsweise wurden Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt und es wurde ermöglicht, mit ausreichendem Abstand voneinander zu arbeiten.“

Die Flexibilität ist bemerkenswert. Nicht nur mit Elektroantrieben, sondern auch mit Hygienemaßnahmen und Schutzmasken verdient das Unternehmen Baumüller Geld.

Gesichtsschilde

Die IHK Nürberg berichtet von neuen Aktivitäten der Baumüller Services (Baumüller Reparaturwerk GmbH & Co. KG), einem Dienstleister im Bereich elektrische Maschinen und Anlagen und Tochter der Nürnberger Firmengruppe Baumüller. Dort würden mit firmeneigenen 3D-Druckern Gesichtsschilde, sogenannte Face Shields, produziert, die eine Tröpfcheninfektion verhindern und aktuell besonders im medizinischen Bereich sehr gefragt seien.

Hygiene-Buddy

Zu den Hygienemaßnahmen gehört das Angebot einer Hygiene-Station für Unternehmen. Sie besteht aus einer Halterung für eine Papierrolle, Desinfektionsmittel, inkl. Tropfschutz, Halterung für Maskenbox, Einweghandschuhe, Taschentücher und einem Abfallbehälter, zum Preis von 239,–€ zzgl. MwSt.

Public Private Partnership

Das unternehmerische Geschick des Familienunternehmens ist nicht infrage gestellt. Mit Face Shields, einem Hygiene-Buddy und Elektromotoren trifft die Baumüller Gruppe den Zeitgeist, der durch Klimaangst und Elektromobilität und jetzt auch durch Coronaangst und Maskenschutz bestimmt ist, gleich doppelt.

Dass der Ministerpräsident Markus Söder im Zusammenhang mit der „Corona-Krise“ eine neue Autokaufprämie vorschlägt, mit der er primär Elektromobilität fördern will, ist nicht verwunderlich. Dass er bei seinen öffentlichen Auftritten Gesichtsmasken trägt, wird man nicht unbedingt als Werbung für einen dauerhaften Maskenschutz verstehen. Gäbe es nicht den Hinweis der Münchner Abendzeitung, Markus Söders Leben sei immer ein Stück Inszenierung.


Profiteure der Angst (Arte-Doku 2009)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

vier × 3 =