Unwort

"Klimahysterie" – neues Unwort des Jahres

Eine sechsköpfige Jury hat sich für „Klimahysterie“ als Unwort des Jahres 2019 entschieden. Zwar lag „Klimahysterie“ nur auf Platz acht der eingesandten Vorschläge, aber sie traf den Geschmack der Jury und des Umweltministeriums.

Das Bundesumweltministerium sagt:

Die Jury

Die Jury besteht aus vier Sprachwissenschaftlern von unterschiedlichen Universitäten – Prof. Dr. Nina Janich/Sprecherin (TU Darmstadt), Prof. Dr. Kersten Sven Roth (Universität Magdeburg), Prof. Dr. Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Universität Trier). Hinzu kommen der Autor und freie Journalist Stephan Hebel und ein jährlich wechselndes Mitglied, in diesem Jahr war der Kabarettist Urban Priol (http://kulturagenten.de/) beteiligt.

Die Aufmerksamkeit, die die Leistung dieses Sextetts durch die Medien und die Bundesregierung erhält, spricht der Vernunft Hohn. Ihre Leistung besteht darin, aus eingesandten Vorschlägen einen Ausdruck auszuwählen, der von ihr zum „Unwort des Jahres“ erklärt wird. Alle Jahre wieder.

Es gab 671 Einsendungen, davon waren 397 Ausdrücke unterschiedlich, 50 entsprachen den Unwort-Kriterien der Jury. Zu den häufigsten Einsendungen (10 und mehr) zählen Verschissmus (22x), Deals (16x), Umweltsau (16x), Alte weiße Männer (13x), Verschmutzungsrechte (11x), Klimaleugner (11x), LKW-Vorfall (10x), Flugscham (10x).

„Klimahysterie“ wurde erst an achter Stelle genannt. Die Jury entschied sich dennoch für diesen Vorschlag, mit einer absurden Begründung.

Die Begründung

Das Sextett erklärte seine Entscheidung: „Mit dem Wort „Klimahysterie“ werden Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert.“ Der Ausdruck pathologisiere pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als eine Art kollektiver Psychose.

Das Urteil sollte dazu beitragen, der Hysterie eine wesentlich stärkere Beachtung zu schenken. Greta Thunbergs Aufruf zur Panik bei der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums 2019 in Davos wurde von den Medien genüßlich eingesogen, anstatt vor Panik zu warnen, wie es jeder vernünftige Mensch tun würde. „Spitzenpolitiker und Top-Manager“ lauschten der Jugendlichen und widersprachen ihr nicht. „Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es“, sagte 2019 die damals 16-jährige Schwedin. „Erwachsene sagen immer wieder: Wir sind es den jungen Leuten schuldig, ihnen Hoffnung zu geben. Aber ich will eure Hoffnung nicht“, so Thunberg. „Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.“

Wer profitiert von der Klimahysterie?

Panikpredigten gehören heute zum festen Bestand von Hörfunk, Fernsehen und Presse. Davon profitieren die Reichen und Mächtigen, zu denen „rich Kids“ wie Luisa Neubauer, die deutsche Sprecherin von Fridays for Future, gehören.

Luisa Neubauer, Instagram

Luisa Neubauer, Mitglieder der Grünen, warnt auf englisch. Längst nicht alle, denen die arrogant-lässige Siegerpose gefällt, werden ihre Drohung verstanden haben (Google-Übersetzung):

Geisteszustand gerade jetzt: Beobachten Sie uns besser. Sie alle – Siemens, Joe Kaeser und alle anderen CEOs, alle anderen Mitarbeiter, die diese Krise weiter befeuern wollen, als gäbe es kein Morgen. Weil es ein Morgen gibt, gibt es eine Zukunft. Wir sind es und wir werden nicht zulassen, dass Sie es weiter zerstören. Dies war nur der Anfang.
Zu Ihrer Information: Dies ist keine freundliche Erinnerung, sondern eine freundliche Warnung.

Dass derartige Drohungen gelassen, ohne Widerspruch von Politikern und Medien ausgesprochen werden können, sagt viel über die geistige Verfassung Deutschlands.

Toxische Dosis gegen Andersdenkende

Die Sprachrichter begründen die Wahl des Unwortes nur scheinbar inhaltlich, tatsächlich aber politisch. „Der Ausdruck wurde 2019 von vielen in Politik, Wirtschaft und Medien – von der F.A.Z. über Unternehmer bis hin insbesondere zu AfD-Politikern – verwendet.“ Somit erhält die Bezeichnung „Klimahysterie“ eine toxische Dosis gegen Andersdenkende.

Die Qualifikation von Sprachwissenschaftlern lässt ein Urteil über Naturwissenschaften nicht zu. Dennoch maßt sich die Jury ein Urteil an:

„Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel ist das Wort zudem irreführend und stützt in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen.“

Die Wahl der „Klimahysterie“ zum Unwort des Jahres 2019 enthält alle politischen Ingredienzien, die die Bundesregierung braucht, um der Klimapolitik zum Erfolg zu verhelfen.

Die Jury arbeitet institutionell unabhängig, d.h. sie ist weder an einzelne Universitäten, Sprachgesellschaften/-vereine oder Verlage gebunden. Aber politisch unabhängig ist die Entscheidung nicht. Dies bestätigt die Wahl des nur an achter Stelle platzierten Ausdrucks.

Der Abschied von der Vernunft

Dass sich die Vernunft in weiten Bereichen Deutschlands beim Thema Klima verabschiedet hat, bestätigt das BMU mit eigenen Worten: „Der Klimawandel ist in Deutschland angekommen“, heißt es in in dem Kommentar zur Entscheidung der Jury. Wie kann der Klimawandel ankommen, wenn er doch nie weggewesen ist?

Foto: Foundry, pixabay

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