Erregungsbeschleuniger

Panik – das Elixier der Medien

Kommentar

Das „Meinungsmagazin WDR 5 Politikum“ wird täglich, montags bis freitags, 17.45 – 18.00 Uhr ausgestrahlt. In der Sendung vom 11.03.2020 ging es unter anderem um Kritik an den Medien im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie. Moderator ist Stephan Karkowsky. Es gebe Menschen, die machen manche Medien mit dafür verantwortlich, dass jetzt alle so komplett durchdrehen, sagt Karkowsky. Die Medien sollten mit Corona dezenter umgehen, fordert der freie Journalist Christoph Sterz. Er hält Panik für nicht hilfreich in „diesen Corona-Zeiten“. Nach dem eigentlichen Ende der Sendung wechselt der Moderator das Thema und greift zum bewährten Hausmittel gegen die Kernenergie: Panikmacherei. Kein Hörer soll auf den Gedanken kommen, Panik sei generell nicht hilfreich.

Panik ist nicht hilfreich, egal in welchen Zeiten

Christoph Sterz hält Panik für nicht hilfreich in „diesen Corona-Zeiten“. Panik ist niemals hilfreich. Aber eine Anti-Panik wird man in den „Greta-Zeiten“ vom WDR nicht erwarten dürfen. Denn der Sender steht auf Greta. Sie verlieh der Bewegung „Fridays for Future“ weltweit ein Gesicht: kindlich, weiblich, ohne höheren Schulabschluss und verhaltensgestört. Die junge Schwedin wird von Medien, Umweltverbänden, Parteien, Kirchen und dem Finanzkapital geradezu vergöttert. Sie durfte auf Einladung der Organisatoren des Wirtschaftsgipfels in Davos der Welt 2019 sagen: „Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.“ Die Zeit für Höflichkeiten sei vorbei. So wurde die therapeutische Arbeit an dem autistischen Kind zur Aufgabe für die Welt, sich durch Panik von der Angst vor dem CO2 zu befreien.

Es sei „sehr unerfreulich“, sagt Christoph Sterz, wie zum Beispiel die Bild in dieser Woche live auf Sendung gegangen sei. In dem Hör-Ausschnitt erwähnt Bild, dass es zwei „Corona-Tote“ gegeben habe und kündigt sachlich an, auf den Corona-Radar Deutschlands schauen zu wollen. Aber auf Sterz wirkt es so, als hätten nicht nur bei der Bild, sondern einige Journalistinnen und Journalisten nur auf die ersten Todesmeldungen gewartet. „Als gebe es nichts Wichtigeres als die aktuellen Infiziertenzahlen zu vermelden“, sagt der Journalist. Gibt es. Aber darüber spricht der Moderator erst nach dem Ende des offiziellen Teils der Sendung.

Auch „Plusminus“-Moderatorin Alev Seker kommt bei Stephan Karkowsky zu Wort. Sie hatte im Tagesspiegel erklärt: „Stündlich wird in Eilmeldungen über die steigende Zahl der Coronavirus-Fälle berichtet – andererseits heißt es, das Virus sei wie eine Erkältung. Und was ist mit der Zahl der Menschen, die nach einer Infektion wieder gesund sind? Darüber wird nicht oder kaum berichtet. Tragen wir Medien also dazu bei, dass Angst und Verunsicherung geschürt werden? Dass Hamsterkäufe und die panische Suche nach Mundschutz und Co. verstärkt werden? Diese Frage darf jeder für sich selbst beantworten. Ich finde, dass an dieser These etwas dran ist, und würde mir öfter ein „keine Panik“ in der Berichterstattung wünschen.“

„Erregungsbeschleuniger“

Dabei müssten Medienmacher gerade in diesen digitalen Zeiten sachlich informieren, sagt Karkowsky. Er belehrt die Kollegen:

„Nüchterner, faktenorientierter Journalismus ist gefragt, der sich abhebt von den vielen Gerüchten, die durchs Netz und durch die Nachbarschaft schwirren.“

Der Psychologe Stefan Grünewald stellt fest, dass die Bevölkerung sich bereits in einem Panikmodus befinde. Er werde medial zusätzlich geschürt. „Die Medien werden zu „Erregungsbeschleunigern“, sagt der Psychologe. Gefährlich daran ist aus der Sicht des Moderators, dass die wirklich wichtigen Nachrichten Handlungensempfehlungen irgendwann gar nicht mehr wahrgenommen werden vor lauter Pseudo-News und vor lauter Aufgeregtheit.

Der Moderator lässt auch Ranga Yogeshwar, der bis 2018 „Quarks & Co.“ moderierte, zu Wort kommen. Der luxemburgische Wissenschaftsjournalist und Physiker kritisiert die Medien, denen es an einer gewissen Besonnenheit fehle, wie er sagt. Inzwischen erfolge eine Berichterstattung über die Reaktion der Leute und nicht über neue Erkenntnisse. Es gebe fast eine Sucht danach, dass wir in irgendeine große Katastrophe hineinlaufen.

Eine Sucht, die keinen Platz haben dürfe im Journalismus, sagt Karkowsky. Es sei die Aufgabe von Medien, die Menschen bestmöglich zu informieren und nicht, sie unnötigerweise zu verunsichern.

Die Sendung ist zu Ende, der Ausspann erfolgt. Und man staunt, der WDR hat sich anscheinend eines Besseren besonnen. Bis Min. 13:54 besteht Hoffnung auf Selbstkritik.

… Übrigens

Aber die Sendung ist nach der Erkennungsmusik nicht ganz zu Ende. Das eigentliche Ende beginnt mit dem Wort „Übrigens“. Karkowsky schiebt der Kritik an Panikmacherei eine Panikmeldung hinterher. Er sagt: als Folge des Kernkraftwerkunfalls in Fukukushima „wird langfristig mit Zehntausend Strahlentoten gerechnet. Quasi auf deren Gräbern sollen im Sommer die Olympischen Spiele stattfinden.“

Das ist unverantwortlicher Unsinn. Karkowsky suggeriert, dass Tausende in Fukushima durch den Unfall des Kernkraftwerks starben und der Boden dort mit ihren Leichen übersät ist. Falsch, die Menschen aus Fukushima leben noch, ausgenommen der rund 1.700 Personen, die dem Umzugsstress und der Panikmacherei zum Opfer fielen.

Karkowsky beruft sich auf die Ärzte gegen den Atomkrieg, die eine Absage aller Wettkämpfe „in den verstrahlten Gebieten“ fordern. Sie sähen darin eine Verharmlosung der Atomkatastrophe. Die sei nämlich immer noch nicht unter Kontrolle. „Und womöglich kommt ihnen ja dabei das Coronavirus zu Hilfe.“

(WDR 5 Politikum 11.03.2020 15:06 Min, Medienkritik ab Min. 10:45)

Werbung für die neue Panik-Industrie

Wer die unterschiedlichen Programmformate des WDR 5 aufmerksam hört, wird feststellen, dass für den Sender kein Trittbrett zu schmal ist, um nicht mit der Warnung vor der Klimakatastrophe und der Kernenergie darauf zu springen. Selbst das Thema Coronavirus muss dafür herhalten. Aber, wer weiß, vielleicht halten die WDR-„Experten“ die Coronaviren für ein Ergebnis des Klimawandels, ebenso wie die Verschiebung der Erdplatten im Pazifik, die 2011 einen Tsunami verursachte, der mindestens 16.000 Menschen den Tod brachte. Beim Thema Klimawandel gibt es für Klimaalarmisten leider nur noch Freund und Feind und Panik.

Die Industrie für sogenannten Erneuerbare Energien wird daran großen Gefallen finden. „Ich wünsche mir mehr Panik, damit wir uns endlich von Kohle, Öl und Gas verabschieden“, hatte die ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen und Präsidentin des Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE), Simone Peter, am 5. Mai 2019 getwittert.

Erst im Januar dieses Jahres schenkte der WDR dem BBE kostbare Werbeminuten. In der Januar-Sendung sagte Stephan Karkowsky: „Für den Bundesverband der Energiewirtschaft zeigt das, die Energiewende könne funktionieren, wenn die Politik sie weiter vorantreibt.“ Panikmacherei ist das Elixier der Klimaalarmisten des Mainstreams in Presse, Funk und Fernehen.

Da war doch noch was! FUKUSHIMA!

Nicht die von dem WDR-Moderator kritisierte Bild-Zeitung erweist sich in dem von Christoph Sterz genannten Beispiel als „Erregungsbeschleuniger“, sondern der WDR. Karkowsky beruft sich auf die Ärzte gegen den Atomkrieg. Vermutlich werden die meisten Hörer diese Organisation als moralische Instanz hoch bewerten und sie über jeden Zweifel erhaben sehen.

Wissenschaftler der UNSCEAR (Wissenschaftlicher Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen atomarer Strahlung) und die WHO (Weltgesundheitsorganisation) schätzen dagegen die physiologischen Folgen der freigesetzten radioaktiven Substanzen für die Gesundheit der Bevölkerung als gering ein. Auf deren Untersuchungen beruft sich auch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA), eine autonome wissenschaftlich-technische Organisation, die innerhalb des Systems der Vereinten Nationen einen besonderen Status innehat.

Die Experten sind sich einig: Falls es zu langfristigen Folgen kommen sollte, werden sie derart gering ausfallen, dass sie nicht messbar sein werden. Das heißt, dass sich die natürliche Sterberate durch Krebserkrankungen nicht durch diejenige unterscheiden lassen wird, die mit dem Kraftwerksunfall in Verbindung stehen.

Der gemeinnützige und unabhängige Verein „Nuklearia“ hat dem WDR nicht nur einmal angeboten, über die Kernkraft und die Folgen von Fukushima zu informieren. Dies würde der Versachlichung des Themas Kernkraft erheblich dienen. Aber dann wäre es um den Panikmodus der Kernkraftgegner in Deutschland geschehen. Und darauf will keiner der notorischen Erregungsbeschleuniger – die Atomkraftgegner, Klimaalarmisten, die Industrie der erneuerbaren Energien und deren Verfechter – verzichten, auch nicht der WDR.

Nach Corona wird die Klimakatastrophe wieder in den Mittelpunkt der Politik und Medien rücken – auf einem erhöhten Panik-Level.

Faina Faruz

Titelfoto: pasja1000, pixabay

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