Warum hält die Berliner Zeitung die Verbreitung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit für Journalismus? – fragt Aya Velázquez

Die Journalistin Aya Velázquez verortet die Kolumne von Thilo Mischke in der Berliner Zeitung dort, wo kaum jemand das Blatt vermuten würde: in rechtsradikalen Denkschablonen. Aufhänger der Kolumne ist eine pro-palästinensische Demonstration in Neukölln, die den grauenhaften Überfall von Anhängern der Hamas auf Zivilisten in Israel feierte. Aber um die Feiernden geht es Mischke nicht, denn sie seien nur “wenige Muslime, die in unserer Nachbarschaft öffentlich und ungezügelt ihren Antisemitismus leben”. Eine folkloristische Begebenheit, sozusagen. Mischke hat an ihrer statt die Kritiker der Coronapolitik im Visier, “besonders die rechtspopulistischen Kräfte”, deren Ziel es sei, “ein billiges Feindbild zu erzeugen.”

Mischke schreibt:

“Noch vor anderthalb Jahren, nicht vor 80, standen 50.000 Menschen am Brandenburger Tor, (https://www.berliner-zeitung.de/topics/brandenburger-tor) und in ihren vom Hass dumm gewordenen Gesichtern war auch der Judenhass zu erkennen. Der deutsche, über Jahrhunderte gegärte, garstige Judenhass. Er platzte aus der Mitte der Gesellschaft heraus. Keine Neonazis, keine radikalen Muslime, keine Pubertierenden. Nein, Ursulas und Gerts, die in ihren Softshell-Jacken Transparente trugen, die vor dem großen Reset warnten. Die antisemitischen Karikaturen vor sich hertrugen, um vor den Pharmajuden zu warnen.”

“Pharmajuden” bezog Mischke namentlich auf Kritik an Rothschild, den zu kritisieren in einer rechtsradikalen Denkschablone als Hass gegen Juden bewusst und bösartig fehlgedeutet wird.

Aya Velázquez twittert:

Moore

“.@mischke_thilo schreibt in diesem Schmierstück in der @berlinerzeitung hunderttausenden Menschen, die gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert haben, EXAKT GLEICHE EIGENSCHAFTEN, nämlich „Antisemitismus“ zu. Er behauptet, diesen „Antisemitismus“ aus den „Gesichtern“ der Menschen ablesen zu können. Unabhängig vom Inhalt dieser absurden Unterstellung: Die #Essenzialisierung einer Gruppe – ihr eine homogene „Essenz“ zuzuschreiben – ist aus kulturanthropologischer Sicht die Basis für Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Eine solche Argumentation entspricht exakt der Argumentation von Rechtsradikalen – denn Rechtsradikale essenzialisieren die von ihnen verhasste Gruppe, und schreiben allen Mitglieder dieser Gruppe exakt identische, negative, diabolische Eigenschaften zu. Damit bezwecken sie, Repressionen, politische Verfolgung und Gewalt gegen jedes einzelne Mitglied dieser Gruppe ideologisch zu rechtfertigen, denn „die sind ja schließlich alle gleich“.

@mischke_thilo argumentiert in diesem Artikel durch die Essenzialisierung einer in Wahrheit inhomogenen, aus hunderttausenden Individuen bestehenden Gruppe, formal identisch wie ein lupenreiner Rechtsradikaler. Nun obläge es aus meiner Sicht Juristen, zu prüfen, ob der Artikel zusätzlich auch den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt. Die @berlinerzeitung sollte sich indes fragen, warum sie die Verbreitung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – ergo rechtsradikales Denken – für Journalismus hält.”

https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/antisemitismus-ist-kein-muslimisches-problem-in-deutschland-es-ist-ein-problem-der-meisten-deutschen-li.2148895

Der Nachweis seiner Qualifikation als Journalist ist durch Fernsehpreise erbracht (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt). Wikipedia:

Die Bücher von Thilo Mischke (Wikipedia)

  • In 80 Frauen um die Welt. (2010)
  • mit Dietlind Tornieporth: Wir, intim. (2011)
  • Das Sexbuch. Die Frau fürs Leben braucht keinen großen Busen (2013)
  • Huh! Die Isländer, die Elfen und ich. Unterwegs in einem sagenhaften Land. (2017)
  • Alles muss raus – Notizen vom Rand der Welt (2022)

Volksverhetzung ist keine Meinung, sondern eine Straftat. Es bleibt abzuwarten, ob das Pamphlet von Thilo Mischke aus der Sicht eines Gerichts diesen Straftatbestand erfüllt.

Faina Faruz

Titelbild: moritz320, pixabay


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