Bündnis 90/Die Grünen: Glaubenssätze in der Kritik

Fotograf: Laurent

Am 16.03.2011 veröffentlichte die Bundespartei Bündnis 90/Die Grünen “zwanzig Fakten zum Weitervebreiten“, mit denen die Menschheit überzeugt werden soll, dass Atomkraft weder effizient noch nachhaltig oder gar sicher ist. Die Argumentation war mir bekannt, aufschlussreicher waren dagegen die Leserbriefe zu dem Thema. Es müssen etwa 640 Leserkommentare sein, die bis heute geschrieben wurden. Die größte Überraschung für mich war, dass der Antiatomkurs der Grünen von sehr vielen Lesern nicht unterstützt wird! Damit hatte ich nicht gerechnet.

Beispielhaft für viele andere Kommentare zur Atomkraft sei der letzte Eintrag von “Ocin1”, vom 10-02-13 18:27, zitiert (Hervorhebungen stammen von mir):

“Erst mal Hut ab, für diese aufwendige Zusammenstellung. Und, man kann nie genug über Technik wissen, welche neben den fossilen Energien die Basis unserer Gesellschaft bildet. Denn eines ist ganz klar, ohne technisch nutzbare Energie z.B. als elektr. Strom oder als Raumwärme führt zu Dezimierung unserer Bevölkerung, wie es zuvor noch kein Weltkrieg geschafft hätte. Es ist also ein sehr wichtiges Thema.

Zu den Gründen hier kann ich leider nur sagen, dass hier nur die wissenschaftlich ungeprüften Nachteile stehen und nicht die Vorteile, wie z.B. der ungeschlagen hohen Energiedichte (4,3 TJ pro kg klassische Kernenergie im Vergleich zu 40 MJ pro kg fossile Verbrennungsenergie). Weiter sind einige der Gründe auch Sachlich und technisch einfach falsch.

“3. Atomkraftwerke sind nicht gegen Flugzeugabstürze geschützt. ” das trifft auch aud jeden Staudamm zu. Bsp. 17. Mai 1943 starben 1.200 bis 1600 umgehend beim Bruch der Möhne-Staumauer und etwa 800 Tote durch Bruch der Edersee-Talsperre. Beides ausgelöst durch einen Bombenangriff.

“6. Kinder haben ein erhöhtes Krebsrisiko, wenn in ihrer Nähe ein Atomkraftwerk steht.” Man schaue mal auf Seite 7 dieser Studie, da ließt man folgendes: [http://doris.bfs.de/jspui/bitstream/urn:nbn:de:0221-20100317939/4/BfS_2007_KiKK-Studie.pdf] Seite ix “..Die jährliche natürliche Strahlenexposition in Deutschland beträgt etwa 1,4 mSv, dir jährliche durchschnittliche Exposition durch medizinische Untersuchungen etwa 1,8 mSv . Demgegenüber ist die Exposition mit ionisierender Strahlung in der Nähe deutscher Kernkraftwerke um den Faktor 1000 bis 100.000 niedriger. Vor diesem Hintergrund ist nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand das Ergebnis unserer Studie nicht strahlenbiologisch erklärbar”

Weiter wird zur Hochrechnung von potentiellen Krebskranken von KKW-Unfällen wie Tschernobyl oder auch vom KKW Unfall Fukushima das LNT-Modell verwendet. Dieses Modell ist im kleinen Dosisbereich nicht mit der Realität verträglich. Wie auch bei der UV-Strahlung, durch welche z.B. Vitamin D gebildet wird, oder wie bei anderen Giften, ist die Giftwirkung immer von der Dosis abhängig und kann im kleinen Dosisbereich sogar lebensnotwendig sein (siehe Vitamin D aus UV).

Bei genauem Nachforschen sieht es leider auch mit den anderen Gründen der Grünen-Seite so aus.

Diese Sammlung ist überspitzt und nicht verträglich mit der technischen Realität. Man möge sich z.B. mal mit Staudamm-Katastrophen und deren Toten beschäftigen. Hier haben sich wohl übereifrige Politik-Studenten eine politische Daseinsberechtigung zusammengepredigt :-). Sie trotzdem sehr nett aus und das viele Grün wirkt beruhigend :-).”    (Ocin1, 10-02-13, in: http://www.gruene.de/themen/atomausstieg-energiewende/20-fakten-ueber-atomkraft.html#commentslist)

Gehen Meinungen wie diese wirklich spurlos an den Grünen vorbei? Machen die menschenfreundlichen und gutgläubigen Wähler von Bündnis 90/Die Grünen vielleicht etwas falsch? Für mich steht fest: Wer Leserbriefe wie diesen nicht ernst nimmt, und weiter Glaubensbekenntnisse statt Wissen verbreitet, sollte von seinen Wählern zur Rechenschaft gezogen werden statt Bündnis 90/Die Grünen Regierungsverantwortung zu übertragen!

Die Veröffentlichung “100 gute Antworten” (29.03.2013) des Teams KRITIKALITÄT kann vielleicht die überfällige fachliche Auseinandersetzung über die Bedeutung der Kernenergie für die Zukunft unserer Industrie und Gesellschaft in Gang bringen. Hoffentlich.

Georg Materna

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2 commenti su “Bündnis 90/Die Grünen: Glaubenssätze in der Kritik

  1. Schon peinlich, wenn man versucht die potentiellen Toten und Schäden einer Nuklearkatastrophe mit denen eines Staudammbruchs zu vergleichen… Autsch! Das mit der Energiedichte ist ja mal sowas von EGAL, wenn man nicht die Rahmenbedingungen betrachtet. Nukleartechnik hinterlässt eben wegen dieser unglaublichen Energiedichte einen Berg Müll, mit dem wir nicht umgehen können und wollen!

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    • Gestern lief der Dokumentarfilm über Monsanto auf arte. Ich denke, dass die Kernenergie kontrollierbarer ist als Monsanto.
      Youtube: “Monsanto, mit Gift und Genen”
      Dokumentarfilm: http://youtu.be/CbbQiZrZgDY

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