Wenn Praktikantinnen zur Treibjagd blasen dürfen

Die Journalistin Lea Weinmann hatte gerade erst ein zweimonatiges Praktikum bei Correctiv beendet, als sie am 22. April 2020 für Correctiv, jetzt als freie Mitarbeiterin tätig, gegen den angesehenen Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Homburg, Direktor am Institut für Öffentliche Finanzen, Leibniz Universität in Hannover, vorgehen durfte.

Ein Praktikum hatte Lea Weinmann zuvor bei der Deutschen Presse-Agentur GmbH im dpa Landesbüro Stuttgart absolviert. Die Deutschen Presse-Agentur und Correctiv arbeiten beide für Facebook Deutschland als Zensoren. Außerdem ist die Journalistin als Reporterin beim SWR Aktuell Studio Stuttgart, DASDING und als freie Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung und Stadtkind Stuttgart (Stuttgarter Zeitung) tätig.

Das Wirken „unabhängiger Faktenprüfer“

Lea Weinmann nahm Anstoß daran, dass der Finanzwissenschaftler die Reproduktionszahl, die vom Robert Koch-Institut berechnet und zur Leitlinie für Maßnahmen gegen die Verbreitung von Coronaviren wurde, kritisierte.

Homburg schreibt am 23.04.2020 bei achgut.de:

„Soeben erreicht mich die Nachricht, dass Facebook die Weitergabe meiner oben genannten Interviews mit dem Onlinemagazin „Punkt.Preradovic“ an andere Facebook-Nutzer verhindert. Begründung: „Die informationen in diesem Beitrag sind teils wahr und teils falsch oder unvollständig. In einigen Fällen sind sie auch irreführend.“ Die „Faktenprüfung“ von „Correctiv“, auf die verwiesen wird, lautet: „Teilweise falsch: Mit der Reproduktionszahl allein lässt sich nicht beurteilen, ob die Maßnahmen wirksam sind oder nicht“. Nun wird diese Zahl vom Robert-Koch-Institut berechnet und amtlich veröffentlicht. Sie bestimmt, zumindest vorgeblich, seit Wochen das Regierungshandeln Schöne neue Welt, pardon, neue Normalität.“

Zur schönen neuen Welt gehört, dass die Facebook-Nutzer, die das Interview geteilt haben, bestraft werden.

Es ging um diesen Inhalt:

(Sollte der Eintrag von Facebook nicht sichtbar sein, bitte den Link aufrufen.)

Unter dem Correctiv-Hinweis „Mehr dazu“ findet man unter anderem einen Vermerk zur Überprüfung von Inhalten: „Bei der Überprüfung der Inhalte werten Faktenprüfer die Informationen aus und bewerten deren Richtigkeit.“

Eine Praktikantin bewertet die Richtigkeit eines Finanzwissenschaftlers und zerstört unter Umständen dessen Ruf.

Verfilzte Medien

Stefan Homburg sagt: „Jemand musste mich verleumdet haben, denn ohne dass ich etwas Böses getan hatte, wurde ich eines Morgens zwar nicht verhaftet, aber von Tagesschau.de als Verrückter dargestellt, der sich wirr zu politischen Entscheidungen im Rahmen der Coronakrise äußerte. Die Geschichte begann damit, dass ich mich in der WELT lobend zum schwedischen Umgang mit der Infektionswelle äußerte, in einem kritischen Beitrag des heute journals (ab 17:30) die Verhältnismäßigkeit des Lockdowns vom 23. März infrage stellte und in einem weiteren WELT-Artikel die Entscheidung der Bundeskanzlerin anzweifelte, den Lockdown auch einen Monat später nur unwesentlich zu lockern, obwohl regierungsamtliche Zahlen nahelegten, dass diese Maßnahme weder notwendig noch wirksam gewesen war.“ Homburg fügt zwei Links hinzu:

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Correctiv entstand als gemeinnütziger Verein „für das Richtigstellen von unwahren Berichten im Internet“, auch Dank einer 100.000 Euro Finanzspritze von den Open Society Foundations des US-Investors und Milliardärs George Soros.


Die Repressalien gegen Ruhrkultour treffen auch tausende andere. Facebook ist ein Problem, weil es sich zum ausführenden Organ von Staaten machen lässt, die damit beschäftigt sind, ihre „politisch korrekte Meinung“ mit Hilfe der (sozialen) Medien durchzusetzen. Die Zensurinstanz wird outgesourct. Das erspart Politikern die Einrichtung und Kosten eines Wahrheitsministeriums und hält von ihnen den Verdacht fern, die Demokratie gegen eine Diktatur austauschen zu wollen.

Stand der Propaganda anno 2020, 8. Mai, Jahrestag der Niederschlagung des Faschismus in Deutschland.



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